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Barrierefreie Kommunikation

Kommunikationsbarrieren kommen in Österreich alltäglich vor, nur dadurch gehen häufig Botschaften völlig an den eigentlichen Zielgruppen vorbei. Wer sich seiner Zielgruppe bewusst ist kann auch die Wahl der Sprache darauf ausrichten.

In Österreich können rund 2 Millionen Menschen nicht gut lesen. So kommt es, dass häufig die Botschaft in der Wahl der Sprache und Gestaltung völlig an den eigentlichen Zielgruppen vorbei geht.

Fast jeder 4. Österreicher hat ein Lese- und Sprachproblem, die Ursachen sind vielfältig, eine geistige Behinderung, Lernschwäche, eine begrenze Bildung, soziale Probleme oder Deutsch nicht als Muttersprache. Schwierige Wörter, lange Sätze und umständliche Ausdrücke führen dazu, dass sich diese Zielgruppe verunsichert fühlt und dadurch falsch oder gar nicht handelt.

Versicherungen, Bescheide, Rechnungen, aber auch Webseiten, Zeitungen und Bücher bis hin zu Verkehrsschildern und Aushängen werden von den Betroffenen nicht sinnerfassend verstanden und können daher nicht umgesetzt werden.

 

Die Lösung des Problems – leichte Sprache.

Leichte Sprache richtet sich mit einfacher Wortwahl und klarem, kurzem Satzbau an diese Menschen. Sie besteht aus kurzen Sätzen mit einfachen, aktiven, anschaulichen Wörtern. Es gibt kein Passiv, keine Genetive, Konjunktive oder Fremd- und Fachwörter. Lassen sich schwierige Wörter nicht vermeiden, werden sie erklärt.

Das Recht auf barrierefreien Zugang zu Informationen für alle Menschen ist verbindlich, seit Österreich 2008 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat. Auch im Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz ist die Beseitigung von kommunikativen Barrieren verankert.

 

Tipps & Tricks

Um wirklich alle Interessierte zu erreichen ist es in einem ersten Schritt wichtig, sich zu überlegen welche Zielgruppe man ansprechen möchte. Ausgerichtet auf diese Gruppe, müssen die Texte formuliert und ein aussagekräftiges passendes Bild gefunden werden.

 

Beispiele

Wieviel Facetten die barrierefreie Kommunikation hat kann leicht am Beispiel einer Gemeinde gezeigt werden.

Im Rahmen der Fachtagung „Abbau von Barrieren“ wurden mit einem Experten der Leichten Sprache, Mag. Erich Korger (capito NÖ) drei Beispiele diskutiert.

In regelmäßigen Abständen werden Rechnungen und Bescheide an die Bürger ausgestellt. Verstehen wirklich immer alle Betroffenen was auf Sie zu kommt und was sich die Gemeinde von ihnen erwartet? Als gutes Beispiel kann hier die Einladung zu einer Bauverhandlung genannt werden.
Expertentipp: Fremdwörter müssen immer erläutert werden.
Als Beispiel nennt Mag. Korger hier die bereits umgesetzte Übersetzung der Bescheide der OÖ Landesregierung in Leichte Sprache. Auch das Land NÖ erarbeitet derzeit ein solches Modell. In Zukunft soll es in Niederösterreich alle Bescheide und Informationen bis auf das Leseniveau A1 heruntergebrochen geben.

Aber auch Amtstafeln sorgen oft für Verwirrung. Die Fülle an Informationen die hier meist in einem Schaukasten preisgegeben wird überfordert nicht nur Menschen mit Lese- und Sprachschwierigkeiten.
Expertentipp: Wichtig ist, die Inhalte eines Schaukastens nach Themen zu clustern. Das schafft zumindest Erleichterung in der Wahrnehmung. Wesentlicher Aspekt ist natürlich auch das Leseniveau der ausgehängten Informationen (siehe Beispiel 1).

Mit Gemeindezeitungen wollen Bürgermeister und Gemeindevertreter ihre Einwohner über Geschehnisse in ihrer Gemeinde informieren. Auch hier stellt sich die Frage ob Grafik, Layout sowie Wahl der Texte und Bilder von allen Bürgern sinnerfassend verstanden wird.
Expertentipp: Einfache Texte mit einem übersichtlichen Layout sowie einem dazu passenden Bild erleichtern die richtige Erfassung. Das wichtigste ist auch hier, dass man sich seiner Zielgruppe bewusst ist vor man mit der Gestaltung der einzelnen Artikel beginnt.

 

Wir danken Mag. Erich Korger (capito Niederösterreich) für seinen Beitrag zu Barrierefreien Kommunikation im Rahmen der Fachtagung „Abbau von Barrieren“ am 14. Juni 2016 im MAMUZ Mistelbach.

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